WM Badminton Senior 2021

Heidis WM 2021 in Spanien

Hallo meine lieben Badminton-Freunde/-Begleiter/-Interessierte,

erst jetzt habe ich mich erst dazu durchringen können, den Bericht zu verfassen. So viel ist passiert, dass ich es erst einmal sacken lassen musste, bevor ich alles in Worte fasse. Ich hätte nicht gedacht, dass nach/während der Pandemiezeit und Ausfall der EM 2021 die WM überhaupt stattfindet. Die Vorbereitung war leider nicht so wie üblich, da Sporthallen von Nov 20 bis Ende Juli 21 geschlossen waren. Allein die noch kurze Vorbereitung für dieses Turnier hat schon sehr an meinen Nerven gezerrt: Flug + Hotel nur über den Veranstalter buchen; Leihwagen; PCR-Test 2 Tage vor Abreise (Teilnahme nur komplett geimpft), Test Gott sei Dank negativ, also Abreise nach Spanien gesichert. 

Anreise 26.11.: Zwischenstopp in Madrid, bevor es weiter nach Sevilla ging. Dort angekommen, Leihwagen abgeholt, ein kleiner Opel Corsa. Unsere Koffer hatten sogar Platz aber für mehr auch nicht, über 100 km Fahrt zu unserem Hotel in Huelva. Im Hotel angekommen, fanden wir im Zimmer noch ein drittes Bett vor, welches ich für meine Sportkleidung benutzte. So konnte ich mich bequem auf jeden Turniertag vorbereiten. Mit den Akkreditierungskarten lief es leider schief, die waren nicht aufzutreiben, abends 2.Versuch ebenso erfolglos. Also noch einmal Passfotos für diese Karten gemailt und nach fast drei Stunden Wartezeit unsere Karten erhalten. Endlich freier Einlass in die Halle! In der Halle wird sehr auf Mund- und Nasenschutz geachtet, wenn man nicht mehr auf dem Spielfeld ist. Für alle Spieler gab es länderweise Trainingszeiten. Trainingseinheit so erst am Abend, ich kam nun in den Genuss, die Haupthalle kennenzulernen.

Esslokalsuche war schwierig, da die Andalusier sehr wenig bzw. gar kein Englisch sprechen. Letztendlich haben wir ein tolles Lokal mit Außengastro gefunden, wohin später auch alle Teamkollegen zustießen. Wunderbare Speisen, spanisches Cerveza dazu und die Welt war in Ordnung. Am nächsten Morgen mit meinem Mixed-Partner Rolf Rüsseler und abends mit meiner Doppelpartnerin aus Dänemark, Birte Bach-Steffensen noch kurz zum Training, um zu testen, ob wir uns auch auf dem Feld noch ‚blind‘ verstehen. Normalerweise spiele ich im Damendoppel mit Svetlana Zilbermann (Israel) und Mixed mit Bobby Ertanto (Indonesien). Da seine Tochter schwer erkrankt ist und er ihr deshalb zur Seite stand, hat er an der WM nicht teilgenommen, aber trotzdem per Internet die Spiele verfolgt. Trainingshalle lag ca. 3 km von der Haupthalle entfernt war und zudem noch ‚saukalt‘, so dass ich meine lange Sport-Leggins anziehen musste. Alles lief zur Zufriedenheit trotz Kälte (Heizung kennt man in Spanien wohl nicht). 

Auf dem Vorplatz der Halle waren zwei Badmintonfelder aus Filz aufgebaut, wo den ganzen Tag Schulkinder jedweden Alters herumtollen konnten bzw. gespaßt wurden und diese dann später in der Halle auf der obersten Tribüne kräftig „E-span-ja“ riefen, um ihre Landsleute zu unterstützen, wenn sie unten auf dem Court standen. Den Geräuschpegel muss man auch erst einmal verkraften. Hier draußen gab es mehrere Sportanbieterbuden, vor allem T-Shirts als Werbung dieser WM und auch vom Sponsor dieses Turniers. Erwähnenswert, dass es als Begrüßung vom Ausrichter für jeden Teilnehmer ein T-Shirt gab (immerhin ca. 1.500 Teilnehmer!). An jeder Ecke in der Halle Handdesinfektion, alle fühlen sich sehr beschützt. Einzelne Physiotherapeuten aus Schweden, Niederlande und auch England waren vor Ort, um ihre Landsleute zu behandeln. Wenn ich ein Problem hätte mit Rücken, Knie, Wade, Schulter: Ich würde immer nur zu den Schweden gehen, sie sind einmalig. Seit Jahren sind sie bei WM oder EM dabei und sie genießen mein volles Vertrauen. Ich hatte zwar auch bei dieser WM ‚Rücken‘, aber ich versuche es erst einmal mit genug aufwärmen und dehnen. Habe trotzdem mal bei den Schweden vorbeigeschaut und schon wurde ich auch von ihnen begrüßt: „Hallo Heidi, alles ok?“ (‚Nee‘ dachte ich, komme noch nicht zur Behandlung).

Gestern (1.12.) z.B. wurde bis 22.30 Uhr gespielt. Heftig für diejenigen, die am nächsten Morgen früh wieder antreten mussten. Als Einschlagfelder (Warmup) diente ein aufgebautes Zelt, in dem sich 2 Courtmatten befanden. Zwar kalt aber nicht windig dort drinnen, womit wir eigentlich gerechnet haben.  Auch ist ein Doc hier in der Halle, der auch C19 Tests durchführen würde, wenn jemand Anzeichen bei sich verspürt. Habe noch Testtermin für Rückflug Samstag gebucht, 100 Euro (für Rolf und mich) bezahlt, dann hoffen wir mal, dass wir negativ sind. Falls Quarantäne: Bin ja jetzt Rentnerin und hätte ‚Zeit‘. Aber wir wollen es nicht hoffen. 

Auf dem Weg in die City – nur ca. 500 m von unserem Hotel entfernt – stellten wir fest, dass es hier wohl wahrscheinlich genauso viele Orangen-Bäume gibt, wie bei uns Kastanienbäume, ein Eyecatcher sind sie jedenfalls.  Am nächsten Morgen früh raus: 8.30 h Termin für Mannschaftsfoto mit Teamkleidung. Deutsche Spieler sind wohl fast die größte Gruppe, ob wir alle 120 Teilnehmer auf das Foto passen? Da einige sich schon für ihr erstes Spiel vorbereiteten, fanden sich die Spieler zum Foto ein, die noch keinen oder erst späteren Einsatz haben. Daher hat’s gepasst!

Montag (29.11.2021) mein erstes Spiel im Mixed mit Rolf Rüsseler (Erlangen) gegen eine französische Paarung Jean Breard/Violaine Ruche, welches wir souverän mit 21:4 und 21:14 gewonnen haben. Am Mittwoch (1.12.2021) hatte ich meine ersten Einsätze im Einzel und Doppel sowie meinen zweiten im Mixed. Im Mixed spielten wir gegen eine englische Paarung und gewannen in zwei Sätzen. Das Damendoppel gegen die schottisch-englische Paarung gewannen Birte Bach-Steffensen aus Dänemark und ich mit 21:18/21:18. In der Halle herrschte etwas Seitenwind und das Seitenlicht war sehr grell, so dass der ein oder andere schon mal Luftlöcher schlug; hinterher fragt niemand mehr nach dem Ergebnis, Hauptsache „´ne Runde weiter“.  Mit meiner Einzelgegnerin Kerry Mullen (England) hatte ich schon vor dem Spiel einen lustigen Austausch, typisch englischer Humor, den ich so liebe. Hat alles nichts genutzt, denn ich habe ich sie mit 21:9/21:5 vom Platz gefegt. Trotzdem stand sie für ein Erinnerungsfoto zur Verfügung. 

2.12.2021: Dieser Spieltag fing mit einer Niederlage im Mixed gegen die schwedisch-englische Paarung Bengt Mellquist/Kerry Mullen an: Nun waren wir es die nach 3 Sätzen trotz 11:5 Führung noch mit 21:14 verloren haben. Im Dameneinzel gegen die Spanierin Hilda Martinez (Viertelfinale), ging ich eigentlich von einer Lärmkulisse vieler Schulkinder aus, das traf leider nicht zu. Auch für Hilda war es ihr letztes Spiel, (21:7, 21:6). Sie versprach, in zwei Jahren bei der WM in Seoul (Südkorea) gut zu trainieren, damit sie ein paar Punkte mehr gegen mich holen kann. Damendoppel dann gegen die Schweizerinnen, Silvia kenne ich noch aus meiner „Profizeit“, wo wir uns bei dem ein oder anderen Turnier in der Schweiz, Niederlande oder Belgien begegneten. Aber auch für sie war heute leider Schluss mit der WM, das Doppel ging klar in zwei Sätzen an uns (21:13 /21:7.).  Also nun Halbfinale im Einzel und Damendoppel, bin gespannt, wie es morgen ausgeht. Wir werden und müssen auf jeden Fall kämpfen, keine Frage. Eigentlich wollten wir abends noch in die City eine Kleinigkeit essen, während eines Turniertages esse ich nicht sonderlich viel, höchstens eine Banane, oder Sandkuchen. Die 3-fach Belastung hat mich doch ganz schön Kraft gekostet.

Im Dameneinzel lief es heute im Halbfinale auch nicht wie ‚gewohnt’. Meine Gegnerin aus den Nie-

derlanden, Maureen Oskam, kannte ich noch aus internationalen Turnieren aus meiner Nationalmannschaftszeit, jedoch nur als Mixed- und Doppelspielerin. Der erste Satz ging mit 21:19 an Maureen und beim Stand vom 10:5 im zweiten Satz dachte ich eigentlich, dass ich das Spiel noch herumreißen könnte. Aber da machte mir ein Fehltritt während eines Schlagwechsels ein Strich durch die Rechnung. Dass man sich am ‚Allerwertesten‘ einen Muskel verdrehen konnte war neu für mich, tat zumindest anfangs höllisch weh. Danach zwickte es im rechten Knie. Die Schiedsrichterin fragte, ob ich einen Doc benötigen würde. Ich verneinte, denn was soll er großartig machen? Ich sagte ihr nur, wenn der Doc kommt, dann soll er eine Ersatzspielerin mitbringen, die für mich weiter kämpft. Also habe ich tapfer weitergespielt, mein Möglichstes versucht, vergebens: erneut 19:21 verloren. Okay, zwei enttäuschende Verläufe hintereinander, das muss man erst einmal verkraften und seine Lehren daraus ziehen, d.h.: Trainieren, trainieren, trainieren und vielleicht ein paar Corona-Pfunde verschwinden lassen. Trotz alledem: Das Lachen habe ich nicht verlernt, wie ihr unschwer auf dem Foto mit Maureen ersehen könnt. 

Im Hotel zurück, habe ich meinen ‚Frust‘ weggeduscht, danach Bilder von der Kamera und Handy auf den Läppi gezogen. Dann mit einem Teamkollegen noch einmal in die Fußgängerzone zum Essen gegangen, denn ich hatte heute außer einer Banane noch nichts im Magen. Morgen laufen nun die Endspiele und ich bin das erste Mal seit 1997 (ab EM 1997 gerechnet, meine erste EM Senioren) dort nicht vertreten, ist schon ein komisches Gefühl, aber es kommt auch wieder eine erfolgreichere WM oder EM, da bin ich mir sicher!

Zu den Siegerehrungen bin ich natürlich erschienen und habe die Bronzemedaillen entgegengenommen, ist doch trotzdem ein schöner Erfolg.

Morgen Abend wartet noch der Antigentest für den Rückflug über Portugal. Das Ergebnis dieses Tests geht an unseren Teamcoach mit Link, den er an uns Spieler weitergibt, um den Test selbst ausdrucken zu lassen. Nach deutschem Datenschutz undenkbar, denn alle Spieler konnten gegenseitig ihre Testergebnisse lesen (Leute, da sträuben sich doch die Haare, oder?). 

Zu guter Letzt: Die deutsche Ausbeute war dieses Jahr sehr mau:   1 x Gold, 2 x Silber, 11 x Bronze. Nach den Finalspielen folgten Reden durch die Offiziellen, weitere Reden, (bis uns wieder kalt wurde vom Warten), Auszeichnung der vielen Helferlein und Schiedsrichter, dann ging es endlich los und die Ehrungen wurden nach und nach vorgenommen. Alles lief ohne Verzögerungen wiederum bestens organisiert. Bei der Siegerehrung auf dem Podest, durfte man für das Foto kurz den Mundschutz abnehmen. Sobald vom Podest herunter, sofort wieder Maske an.

Nun ist auch diese WM – die eine besondere war, denn nicht nur ich als Mitfavoritin bin ‚gescheitert‘, sondern auch einige aus anderen Ländern haben ihr Ziel nicht ganz erreicht - vorbei. Wiederum heißt es, sich erneut auf neue Herausforderungen vorzubereiten, die erst einmal ‚klein‘ ausfallen, d.h. Landesmeisterschaften (NRW), die als Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften gilt, wenn man bei der vorangegangenen DM nicht mindestens im Finale war (dann ist man automatisch qualifiziert). Die Deutschen Meisterschaften in 2022 stehen im Mai an, so sie denn auch stattfinden können und die EM im August in Slowenien, Ljubljana. Dazwischen noch der 6-Nations-Cup im Juni 22 in Straßburg: Wie gehabt, nach dem Turnier ist vor dem Turnier. Motivation ist immer vorhanden, jetzt erst recht nach der langen Turnierpause. Aber ohne meinen Rolf würde ich nicht fahren wollen, auch wenn er bei manchen Spielen nörgelt, was mir dann wiederum fehlen würde. Ich hoffe, noch viele Turniere (WM, EM, DM…)  erleben zu dürfen, also immer die Ziele vor Augen, dann wird es nicht langweilig!

So, das war’s von der WM aus Spanien, Eure  Heidi

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